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Autor Thema: VoIP: Scheinbare und wirkliche Probleme  (Gelesen 1292 mal)
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Koppelfeld
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« am: 06. Oktober 2010, 23:51:19 »

Ich fange 'mal mit den scheinbaren an:

1. "Das Modem vom Stromzähler / der Frankiermaschine / des Neutronenparalysators
   funktioniert nicht !!!1!

Das ist kein VoIP-Problem.  Mit den richtigen Komponenten, der richtigen Netzanbindung und dem richtigen VoIP-Provider funktioniert das.

2. "Aber das Faxen klappt nicht ..."

Siehe oben.  Klar gibt es Probleme mit Billigadaptern, aber wer sagt denn, daß man die nehnen muß ?
Schon das Faxen qua G.711 funktioniert erstaunlich gut:  Gegeben sei eine ausschließlich für VoIP genutzte symmetrische Internetanbindung mit 4 MBit/s bei einer Latenz von 15 ms zum Provider,
Asterisk 1.6, IAXmodem mit zehn Instanzen:  Damit empfangen wir 280 Faxe pro Tag, ein Kunde schickt mit Vorliebe regelmäßig 4 mehrseitige Faxe mit etwa 10 Sekunden Zeitversatz an ein- und dieselbe Nebenstelle.
Trotz reger und zeitgleicher Telephonnutzung (Großhandel) kommen die Faxe typischerweise mit 14.400 bps und ECM an und gehen sauberst durch, irgendwelche Artefakte, fehlende oder schwarze Zeilen resp. Abbrüche liegen im Promille-Bereich.

Mit diversen ATA-Adaptern und PC-Karten hatten wir anfänglich Probleme.  Aber PC-Karten sind ohnehin eine ungünstige Wahl (man möchte doch gerne einen entscheidenden Vorteil von IP nutzen und einen Reserveserver vorhalten, auf den man schnellstmöglich umschalten können will), und ja, es gibt Adapter, die funktionieren.


3. "Aber der Stromverbrauch ist hoch ..."

Ja, wenn man für die Telephonanlage einen eigenen Server betreibt und ein eigenes LAN inclusive Switches für die Telephonie unterhält, dann mag das stimmen.  Mit VLANs kann man mehrere unabhängige IP-Netze über eine gemeinsame Netzwerkinfrastruktur laufenlassen.
Das gleiche gilt analog für den Anlagenserver: Warum zusätziche Hardware teuer bezahlen, warten, mit Energie versorgen, kühlen und nicht zuletzt sichern, wenn man die Software praktischerweise auf einem vorhandenen, ggfs. bereits gespiegelten Server installieren kann ?
Bei uns laufen Internet-Proxy, VPN-Server, Faxserver und noch so einige Anwendungen, die externen Internetzugriff benötigen, auf einer Maschine - die immer noch vor Langeweile gähnt.  Das LAN teilen sich Computerterminals, PCs, Telephone, DECT-Basisstationen, Überwachungskameras, Fertigungsmaschinen und POS-Endgeräte wie EC-Kartenterminals.  Und die gleiche Infrastruktur sowie das gleiche WAN wird auch in den Niederlassungen genutzt, wo außer einem Router überhaupt keine DV-Komponenten mehr stehen.
Bei der von uns gewählten Variante verbrauchen wir wohl wesentlich weniger Energie als ein "klassisches" TK-Pendant, zumal letzteres sehr häufig wie ein Hecht von diversen PCs garniert wird; ich habe schon T-Systems - Anlagen gesehen, die mit "Shelves", "KAP-Server", "KONVY-Server", Fernwartungsserver, GSM-Server und Infrastrukturserver für BLF und Geräteupdate mehr Platz beanspruchten und mehr Leistung aufnahmen als der Rest der beim Kunden installierten EDV - nein, das ist kein Witz.


4. "Aber der EC-Kartenleser, der die Daten so kostengünstig über den D-Kanal verschickte,
   funktioniert nicht mehr !"

Tschä.  Aber alle Geräte, die ich bisher in der Hand hatte, verfügten auch über eine Ethernet-Schnittstelle und hörten auf DHCP; die Umstellung  - verblüffenderweise "von jetzt auf gleich" funktionierte *sofort* und *ohne Studium der Geräteanleitung*.


5. "Aber das Echo ..."

... stammt so gut wie immer von einer analogen Gegenstelle.  "Dank" der Verzögerung, die der asynchronen Übertragung und dem Jitterbuffer geschuldet sind, hört man es bei VoIP nur besser.
Gute IP-Telephone unterdessen bieten eine wirksame, konfigurierbare Echokompensation an, womit man sich freilich beschäftigen muß.


So, jetzt die RICHTIGEN Probleme:

1. Wo bekomme ich eine symmetrische Internetanbindung mit 2 MBit/s her, die annähernd so
   zuverlässig ist wie ein ISDN-Primärmultiplexanschluß ?  Eine mit automatischem Backup ?


2. Welche Alternative für einen VoIP - Provider haben wir zu QSC ?

Die Dienste sind qualitativ gut, aber der Support ist unterirdisch:  Drei Mal wurden "Wartungsarbeiten" angekündigt, dreimal war danach keine Telephonie mehr möglich, dreimal hat QSC etwas verkackt und dreimal sah der "Support" das Problem in einer "nicht-zertifizierten Anlage".
Für die kommnde Woche sind wieder "Wartungsarbeiten" angekündigt, natürlich wieder in der Nacht auf Montag, damit es bei Arbeitsbeginn richtig schön kracht, und mir ist jetzt schon schlecht.

Mit SIPGATE haben wir einige Tests gefahren; dort überzeugte die Sprachqualität im direkten Vergleich mit QSC nicht; andere Provider sind mir nur vom Hörensagen bekannt.

Wer bietet Qualität und Service (für beides wollen wir gern bezahlen) ?



Vielen Dank für sachdienliche Hinweiwse !
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SK
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« Antworten #1 am: 07. Oktober 2010, 06:53:17 »

1. "Das Modem vom Stromzähler / der Frankiermaschine / des Neutronenparalysators
   funktioniert nicht !!!1!
...
2. "Aber das Faxen klappt nicht ..."

deinen Ausführungen zu diesen Themen kann ich voll zustimmen. Mit der richtigen Hardware klappt fast alles.

3. "Aber der Stromverbrauch ist hoch ..."

und an dieser Stelle kommt in den Argumentationen "Energieverbrauch bei VoIP ist gar nicht höher" der Typische Fehler: VoIP-Telefone verbrauchen ein Vielfaches an Energie im Gegensatz zu "klassischen" Systemendgeräten.
Praktisches Beispiel: Eine alte Hicom 300 mit ca. 250 digitalen Teilnehmern und 120 Trunk-Kanälen sowie einigen analogen Ports verbraucht ca. 450 Watt. Damit wird die komplette Steuerung der Anlage sowie sämtliche Endgeräte mit Strom versorgt. Ein 24-Port PoE-Switch von Cisco verbrät bei voller Beschaltung mit Klasse-2-Telefonen und dem Eigenverbrauch gut 600 Watt. Rechne ich dann da den Verbrauch eines nicht für Telefonie genutzten Switches von ca. 150 Watt runter hab ich Gleichstand... Aber: Ich denk mal, rechnen kann jeder für sich, was das dann in Summe für 250 Telefone macht...

4. "Aber der EC-Kartenleser, der die Daten so kostengünstig über den D-Kanal verschickte,
   funktioniert nicht mehr !"

Tschä.  Aber alle Geräte, die ich bisher in der Hand hatte, verfügten auch über eine Ethernet-Schnittstelle und hörten auf DHCP; die Umstellung  - verblüffenderweise "von jetzt auf gleich" funktionierte *sofort* und *ohne Studium der Geräteanleitung*.

das scheint dann aber regional unterschiedlich zu sein. Unsere POTS und ISDN EC-Cash-Geräte haben KEINE Netzwerkschnittstelle. Dafür funktionieren aber unsere ISDN-Geräte problemlos über VoIP...

So hat wohl jeder seine eigene Meinung, seine eigenen Probleme...
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« Antworten #2 am: 08. Oktober 2010, 16:53:17 »

Zitat
Praktisches Beispiel: Eine alte Hicom 300 mit ca. 250 digitalen Teilnehmern und 120 Trunk-Kanälen sowie einigen analogen Ports verbraucht ca. 450 Watt.

Sehr gut, ohne jede Frage.  Unsere Polycom-Telephone konsumieren im Leerlauf etwa 2 W, das macht, die Verlustleisung der PoE-Switches zu berechnen, 600 Watt bei 250 Teilnehmern.
Damit kann man aber, glaube ich, auch noch leben.


Zitat
das scheint dann aber regional unterschiedlich zu sein. Unsere POTS und ISDN EC-Cash-Geräte haben KEINE Netzwerkschnittstelle. Dafür funktionieren aber unsere ISDN-Geräte problemlos über VoIP...

Mit dem richtigen Gateway kein Problem, es gibt vielseitige Geräte von PATTON - sind allerdings recht anspruchsvoll beim Konfigurieren.


Der Kollege, der die "PoS"-Technik betreut, meint aber, u.U. fahre man auch vertraglich günstiger beim Umtausch der ISDN-Kartenleser gegen solche mit LAN.  Hintergrund  - vielleicht weiß jemand Genaueres -  könnte der sein, daß die ISDN-Leitung selbst vom Banken-Vertragspartner finanziert wird.  Mit einem Internet-Anschluß spart man sich natürlich deren Grundgebühr.
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Groucho
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« Antworten #3 am: 08. Oktober 2010, 18:42:00 »

Für und wider VOIP. Das Thema ist so alt und langsam nervig. Es geht kein Weg an VOIP vorbei, die Frage ist nur wo es eingesetzt wird.

Egal wie schön man es sich rechnet, der Stromverbrauch ist höher. Einer unserer Großen Kunden hat eine Anlage mit mehreren Tausend Nst nach Stromverbrauch hochgerechnet und das VOIP Angebot in den Gully getreten und die Anlage wieder in klassischer Ausführung genommen.
Schönrechnen kann ich jeder VOIP Geschichte, die Realität ist die das nicht in jedem Gebäudeteil 24 IP Telefone Sitzen und man den einen Switch tauscht oder der POE Injektor einschleift, nein da stehen halt nur 4 Telefone und schon wird’s ein Netzteilverteilen. Und bitte nicht jeder Kunde möchte seine Switche rauswerfen nur weil POE gebraucht wird, oder Geld in Injektoren investieren, die müssen auch noch verbaut werden, Sowas Sprengt bei kleinen Gebäuden mit 100 Nst schon mal den Schrank usw….

Die Kunden die von 2 Jahren sich IP Telefone mit 100 Mbit/s Miniswitch im Gerät gekauft haben schauen jetzt doof aus der Wäsche weil die neuen Cisco Switche und die PCs Gigabit haben aber die Telefone bremsen. Die Last im Netzt wird immer größer, es wird immer enger im Netzt.

Nicht falsch verstehen ich bin für VOIP, da wo es sinnvoll ist. Einer meiner Kunden hat letztes Jahr ein neues System genommen mit ca. 200 IP Telefonen in den Großen Gebäudeteilen und 500 Systemtelefonen im Rest von Werk. Sowas geht mit den Klassischen BKS ohne Probleme, aber nicht mit Swyx, Cisco, Asterisk  und co. Die Teile bleiben für mich weiterhin typische Kanzleianlagen da sind die gut aufgehoben.
Frankiermaschinen mit 33.6 Modem (nein langsamer kann das teil nicht mehr) über IP? Wer hat das schon zum Laufen gebracht? Bin dankbar für Tipps. Und wenn wir schon dabei sind wie schnell bekommt ihr den ein Fax mit T38 max 9.600? Die Dinger fangen auch alle bei 33.6
 
Achja ein kleiner Ausfall von einem Switch oder Router reicht bei den meisten Firmen um diese bei VOIP lahm zu legen, und zum Thema Redundanz usw.

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Deutsche-Sipgate-VoIP-Nummern-nicht-erreichbar-Update-1104513.html

Deren ihr Geschäft ist VOIP und siehe da wo ist hier die Redundanz eine Firma einen Tag ohne Telefon? Das kostet mehr als die ganze VOIP Anlage.


Groucho
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« Antworten #4 am: 09. Oktober 2010, 11:48:28 »

Für und wider VOIP.
Das war weder Thema noch Tenor meines Beitrags.  Persönlich sehe ich VoIP im allgemeinen und die Kombination von Linux und Astrerisk UND vor allem Linux-Fricklern ähnlich kritisch wie "Reini555".


Zitat
Egal wie schön man es sich rechnet, der Stromverbrauch ist höher.
Nicht schönrechnen, richtig rechnen und noch besser messen.  Und die richtigen Konsequenzen daraus ziehen.
Und das sieht von Fall zu Fall anders aus.  Wie die Jungfrau ans Kind sind wir an einen Auftrag für eine Hotel-Telephonanlage (60 Zimmer) gekommen - und klar wird das keine VoIP- sondern eine
ISDN-Systemlösung (Auerswald).


Zitat
Frankiermaschinen mit 33.6 Modem (nein langsamer kann das teil nicht mehr) über IP?
Über's LAN - warum nicht, über eine WAN-Strecke: No way.  Bislang kenne ich allerdings nur "Gerätemodems" nach V.34, egal ob jetzt von Elektrozählern, Alarmanlagen, Servern, Frankiermaschinen etc., pp..
Es wird *immer* irgendein inkompatibles Gerät geben; im Moment haben wir die meisten Probleme mit "Klappt es auch mit meinem IPhone ?!???!!  *ARGL*.


Zitat
Und wenn wir schon dabei sind wie schnell bekommt ihr den ein Fax mit T38 max 9.600? Die Dinger fangen auch alle bei 33.6
Da gibt es nun keinen Streß.  Der Clou bei T.38 ist ja, daß kein "V.34-over-G711" über die WAN-Strecke geht.  Der Provider (in unserem Falle QSC) terminiert ein eingehendes 33k6-Fax bei sich und schickt es uns dann via T.38.  Abgehend läuft es umgekehrt ab; wir haben allerdings von vornherein Faxgeräte genommen, die T.38 native beherrschen - da erübrigt sich auch gleich ein separater Telephonanschluß.
Vielleicht hatten wir ja einfach nur Glück; es soll mit anderen Providern massive Probleme geben.


Zitat
Achja ein kleiner Ausfall von einem Switch oder Router reicht bei den meisten Firmen um diese bei VOIP lahm zu legen, und zum Thema Redundanz usw.

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Deutsche-Sipgate-VoIP-Nummern-nicht-erreichbar-Update-1104513.html

Deren ihr Geschäft ist VOIP und siehe da wo ist hier die Redundanz eine Firma einen Tag ohne Telefon? Das kostet mehr als die ganze VOIP Anlage.

JAU.  Und das ist genau der Punkt.  Eine LAN-Infrastruktur kriegst Du redundant hin, Deine PBX auch,
ebenso Deine Außenanbindung.  Aber was, wenn Dir dein VoIP-Provider wegbricht ?  Dann ist das Unternehmen trotz eventuell vorhandenem "Ersatzprovider" nicht mehr von außen erreichbar - und DAS kostet.  Wir haben das jetzt dreimal innerhalb von zwei Jahren erlebt, jeweils zwischen einer und vier Stunden, und das war nicht witzig.

Deswegen meine Frage nach einem alternativen VoIP-Provider ...
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