Clean Diesel - Ich mach´ mir ´mal Luft

Dieses Thema im Forum "Allgemeine Diskussionen" wurde erstellt von telthies, 12. Oktober 2015.

  1. telthies

    telthies Urgestein

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    Aus dem großen Druckbehälter mit dem platzenden Kragen fliegt mir gerade ein "weltpolitisches Thema" in die Luft, welches mich schon seit es durch die Medien geistert aufregt, ich laß´ es ´mal raus:


    Zum Affärchen "VW Clean Diesel", genauer: zum nichtendenwollenden Vorziehen des Buß- und Bettages deswegen


    Offen gestanden bin ich "not amused" über die tonnenschwere Heuchelei, die zu diesem Thema gerade allerorten zu vernehmen ist.

    Lassen wir das Märchen, daß die Klimaerwärmung auf Lieschen Müllers kleines Töfftöff zurückginge, mal beiseite. Erwähnen wir lieber, daß das Feinstaubproblem nicht etwa mit zuwenig technischem Tun zu tun hat, sondern mit zuviel: seit dem "Diesel 89" (wie Mercedes ihn nannte, aber andere haben zur gleichen Zeit das gleiche gemacht) verbrennen die Diesel "sauberer" - leider mit feinkörnigeren Abgasschwebeteilchen. Vorher hatten sie zwar deutlich sichtbar gerußt, aber die Partikelgröße war so grobkörnig, daß sich die Teilchen in den Lungen nicht festsetzten. Seit der "Verbesserung" tun sie´s :-(

    Aber zurück zu VW: was haben die eigentlich getan ? - sie haben sich darauf besonnen, daß die Hauptsache die Hauptsache bleibt. Zwar nicht aus edlen Motiven, aber sie haben. Das zählt !

    Ein Motor steht alle zwei Jahre in seiner Karosse auf einem Prüfstand. Für 20 Minuten. Die anderen 1.051.900 Minuten bewegt er diese Karosse im Schnitt etwa dreißig- bis vierzigtausend Kilometer über die Straßen. Was ist also die eigentliche und damit wichtigere Aufgabe des Motors: seine Arbeit zu verrichten oder das Darmspiegelungsprotokoll für den Sesselpupser zum Drantackern an den TÜV-Bericht, zur Pflege des Lieschen-Müller-Märchens ?

    Richtig: der Motor hat den eigentlichen Job, das Auto zu bewegen. Deswegen ja auch sein Name, aber Prüfinschinöre sind wohl keine Altsprachler. Aber sie sollten von Motorenbau verstehen, daß das Bauen eines Motors auch Energie etc. benötigt. Und daß es umweltfreundlicher ist, einen Motor für seine Arbeitspunkte zu optimieren, und nicht für seine Darmspiegelung. Dann arbeitet der Motor nämlich länger in seinem optimalen Bereich, weil er auch länger hält.

    Volkswagen hatte die "Eier", diesen Tatsachen ins Auge zu blicken. Nun mit gesenktem Haupt im Büßergewand Reuemantras zu murmeln, gehört zur US-amerikanischen Rechtskultur, das wollen wir ´mal nicht überbewerten.
    Was bleibt, ist der automobilbauerische zivile Ungehorsam - CHAPEAU ! ! !


    nun bin ich ´mal gespannt auf Eure Meinungen dazu.
     
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  3. Koppelfeld

    Koppelfeld Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar.

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    Meine Meinung wird Dich nicht erfreuen:

    http://if-blog.de/guestauthor/mein-freund-der-softwarebetrueger/
     
  4. telthies

    telthies Urgestein

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    "Meine Meinung wird Dich nicht erfreuen:
    http://if-blog.de/guestauthor/mein-freund-der-softwarebetrueger/"

    nun ja, so weit liegen wir da doch garnicht auseinander. Ich fasse zusammen: in der Bewertung der Sinnhaftigkeit und/oder des sittlichen Nährwertes von Gütesiegelgehorsam gehst Du ja eher noch weiter. Grob auseinanderdriften tun wir dann in der Bewertung der VW-Technik: der Dienst-Scirocco war mit Abstand (neben der Schlafcouch) das einzig lobenswerte an meiner ganzen Fensterfabrik. Na ja, der Kopierer war auch gut.
     
  5. reini5555

    reini5555 Urgestein

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    Als nicht gerade Fan von VW hätte ich eigentlich bisher keine Meinung, denn der Abgasnormen sind einfach nur noch verrückt.
    Jedoch hatte ich letzte Woche wieder mal das Vergnügen für einen Tag einen Ausflug nach Ludwigsfelde zu machen, kurz noch über Dresden vorbei, machte also 1550 km an einem Tag, nachts um 2 Uhr in den vollgetankten Firmenwagen und ja es war leider so ein Golf mit 105 PS. Gut ich will ja nicht die Maßstäbe meiner 3er Touring ansetzen, was jedoch gleich auffiel, ab 130 ging es zäh vorwärts, noch schlimmer selbst den Berg runter ging er nicht schneller ais 190 auf dem Tacho, was real so nach Navi 184 waren.
    Das Schaltgetriebe verdient den Namen mit seinen nur 5 Gängen wirklich, es ist hakelig ohne Ende, also noch richtig Arbeit. Nein kein altes ausgeleiertes Auto, gerade mal 40.000 km hatte der Golf, dann drei mal Tanken bis ich wieder daheim war, man hat bei uns den Brauch, das Fahrzeug wieder mit vollem Tank in den Hof zu stellen. Insgesamt waren es 135 l Diesel was ich tankte, das war ein Durchschnittsverbrauch von 8,6 l Diesel für ein Auto das nach Norm 3,8 l brauchen sollte. Als Vergleich hat mein privater 3 er einen Normverbrauch von 4,9 l und real sind es zwischen 5 und 6 l je nach dem, ob ich noch viel mit den Anhänger spazieren fahre.
    Irgendwas stimmt insgesamt bei VW so nicht.
     
  6. telthies

    telthies Urgestein

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    Nun ja, ein Golf ist m.E. kein Langstreckenwagen, sondern mehr so ein Universaldings á la Fritzbox. Massentaugliches Mittelmaß. Deine Erlebnisse damit kann ich dennoch nicht bestätigen. Ich fuhr das konstruktive Schwestermodell Scirocco, und die 218 PS fühlten sich absolut echt an (wenngleich ich bei den Prospektleistungen von heutigen Durchschnittswagen doch meist den Hubraum für die vernünftigste Orientierungsgröße halte, um die Erwartungen in etwa richtig zu bemessen). Die unglaublich häßliche Krötenform hatte offenbar mit konsequenter Umsetzung von Aerodynamik zu tun, wohlgemerkt im sportlichen Sinne von Anpreßdruck etcetera, die Straßenlage war nämlich erste Sahne - obwohl es äußerlich ein perfekter Damenwagen war, keine Tieferlegung o. dergl., keinerlei auf Sportlichkeit hinweisende Halbstarkenmerkmale. Sechs Gänge DSG mit flotter Reaktion auf die Schaltwippen, lediglich der Tempomathebel war mir als fortgeschrittenem Tempomatbenutzer zu fummelig. Obwohl ich mir mitnichten verkniffen habe, von der Spurtsärke auch Gebrauch zu machen, bin ich bei kombiniert durchschnittlich unter sechseinhalb Litern gelandet. Mein 75 PS Opel-gelabelter Suzuki braucht bei gleicher Streckenmischung einen ganzen Liter mehr. der Scirocco hatte vier Jahre und 60 tkm runter, beim Opel waren es dreizehn Jahre und 100 tkm.

    Auf die Idee, Firmenwagen mit Schaltgetrieben auszustatten, käme ich zumindest bei Poolfahrzeugen niemals nie nicht. Ein Skoda-Händler hat mir letztes Jahr auf die m.E. ungesunden Literleistungen angesprochen gesagt: die seien eben das Ergebnis der einseitigen Schadstoff-Fixierung; die Hersteller wüßten selber, daß die dann mit 150 tkm austauschreif wären, aber das läge ja jenseits der Garantiedauern und kümmere sie nicht.

    Wenn ich diese Erkenntnis mit den Betrachtungen kombiniere, die Hans in http://if-blog.de/rd/mittelklasse-auto-fur-100-e-im-monat/#more-34569 wie folgt reflektiert hat: "Gucken Sie ´mal auf die Stirnseite der Kurbelwelle eines Vier- und auf die eines Sechszylinders und Ihnern erschließt sich sofort, weshalb ein „flacher“ Zappelphilipp so ein schlechtes Karma hat. Der Vierzylinder kultiviert dern „rechten Winkel“, diesen trigonometrischen Triumph der Phantasielosen. Das Maß aller Dinge beim Reihen-Sechszylinder sind 120°, die Sinusfunktion mit den ganzzahligen Vielfachen von 120° ergibt schöne, Emotionen freisetzende, irrationale Zahlen wie 1/2 Wurzel 3 anstatt monotoner Nullen und Einsen. Wenn Ihnen das zu metaphysisch ist: Ein Reihensechszylinder kompensiert automatisch die freien Massenkräfte 2. Ordnung. Das Ergebnis ist ein turbinenartiges Schnurren anstatt eines pubertären Plärrens.", dann komme ich zu dem Schluß, daß Vierzylinderfahrzeuge etwas sind, das man in Kapitalverantwortung stehend bestenfalls leasen darf, aber niemals in das vermeintliche Vermögen des Unternehmens überführen.
     
  7. reini5555

    reini5555 Urgestein

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    Den Golf mit 105 PS kann man wohl nicht ganz mit einem 218 PS Auto vergleichen.
    Das sind alles Lesingautos, die werden nicht älter als drei Jahre, da wird halt gespart, und da ist der Schalter halt mit das günstigste.
    Hubraum bringt es wirklich, ich hatte vor kurzem mal beim BMW Händler das Vergnügen während meiner beim KD war, einen Vorführwagen zu fahren, den 335 d Touring. Ich kann Dir nur mal empfehlen wenn Du die Chance bekommst nütze diese, und ab damit auf die Autobahn.
    Hubraum ist mit dem Reihensechszylinder eine Macht, und das Automatikgetriebe mit 8 Gängen, einfach Klasse, nur halt der Preis nicht.
     

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