Kaufberatung TK-Anlage - IP-Umstellung - 150 Endgeräte

Dieses Thema im Forum "Kaufberatung" wurde erstellt von datendave, 23. März 2017.

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  1. datendave

    datendave Beginner

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    Hallo Forum,

    Wir haben eine alte Alcatel Telefonanlage 4400 mit 150 Alcatel 4020 Endgeräten.

    Die Anlage ist nicht IP-fähig und soll vor dem Hintergrund der All-IP Umstellung der Telekom umgerüstet werden oder gänzlich ersetzt werden.

    Laut Alcatel kann die Anlage zu einer hybriden OmniPCX Enterprise kostenpflichtig umgerüstet werden und die Endgeräte können dabei behalten werden.

    Leider habe ich noch kein Angebot vorliegen, aber:
    Da die Endgeräte beibehalten werden können, und man bei Leitungsendpässen IP-Geräte aufstellen kann, sah ich hier immer den monetären Vorteil gegenüber einer gänzlich neuen TK-Anlage. Die Endgeräte sind zwar alt, aber vor dem Hintergrund, dass die Endgeräte mit CTI-Lösungen von der Bedienung eher in den Hintergrund treten, empfinde ich dies als weniger schlimm. Bisher fand ich nur folgende Mankos: Integrierte Telefonbücher lassen sich mit dem Mini-Display kaum lesen, werden daher garnicht benutzt. Das Gleiche gilt für die Programmierung von Kurzwahltasten. Kein Anwender würde sich bei der Menüführung selber Kurzwahltasten programmieren.

    Welche Funktions-Vorteile haben neue IP-basierte Endgeräte noch gegenüber der alten 4020er Serie?

    Ergeben sich aus der Kombination der alten Endgeräte mit dem SBC ggf. schlechtere Sprachqualitäten?

    Anhand welcher Kriterien kann ich die Anlage weiterhin gegen andere rein IP-basierte Anlagen vergleichen?

    Unsere Alcatel Switche unterstützen prinzipiell eine Voice-Priorisierung. Welche Möglichkeiten habe ich über Netzwerktools wie PSping, iperf eine zuverlässige Aussage über die Voice-Tauglichkeit des Netzes zu machen?(Delay, Jitter)

    Und zuletzt an die Verkäufer die hier im Forum nach Beute suchen:

    Wie kann ein vorbefasstes Telefonie-Unternehmen gewährleisten/nachweisen, dass sich durch die Vorbefassung (Beratung/Erstellung von Vergabeunterlagen) kein Wettbewerbsvorsprung entstanden ist, es somit also auch an einer Vergabe teilnehmen darf.
     
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  3. telthies

    telthies Urgestein

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    Garnicht - das ist ja gerade der Zweck von bietererstellten Ausschreibungstexten: daß Ausschlußkriterien für die Mitbewerber eingebaut sind. Zum Beispiel durch heimlich, still und leise Ersetzung von Gattungsbegriffen durch Produktbezeichnungen: fordert man "Tempo" statt "Papiertaschentüchern", ist der Lieferant von "Zewa" automatisch rausgekegelt.

    Deswegen praktiziere ich seit nunmehr schon 26 Jahren das Einzige, was da hilft: nämlich die galvanische Trennung von Projektierer und Bieter. Wie ein Architekt, der selber kein Bauunternehmen besitzt. Und dem folglich Anbau auch ebenso lieb ist wie Neubau.

    Zu Deinen anderen Punkten später, mein (IP-) Telefon klingelt schon wieder ...
     
  4. telthies

    telthies Urgestein

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    So, da bin ich wieder. Nun zunächst einmal mein Glückwunsch zur Bestückung der Anlage: bei 150 Nebenstellen sind weit sparsamere Endgeräte "üblich" als ein ordentliches Systemtelefon-Modell (wenn auch Economy) einzusetzen.

    Die 4020er sind gute Sachbearbeiter-"Standard"apparate. Die Leistungsfähigkeit von Apparaten entscheidet bzw. reduziert sich wesentlich auf der "Schicht 9" (Einweisung und Schulung). Das ist primär nicht abhängig vom verwendeten Protokoll zwischen Anlage und Apparat.

    Eine Inhomogenität einer Anlage ist grundsätzlich nicht schlecht, die Qualität leidet vor allem durch mehrfaches Hin- und Herwandeln zwischen TDM und IP. Jedenfalls, was die Sprachqualität angeht. Diejenige des Routings leidet eher unter schlechter Konfiguration.

    Vergleiche auf der Basis rein parametrisch erfaßbarer Fakten sind ein Wunschtraum. Der Planer muß die Geschäftsprozesse des Unternehmens verstehen, und am besten sogar die Genese der Routinen, mit denen die Mitarbeiter ihre Arbeit erledigen.
     
  5. Koppelfeld

    Koppelfeld Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar.

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    Guten Morgen !
    Welcher "All-IP - Umstellung" ?
    Bislang hat die Deutsche Telekom kein geschäftskundentaugliches Angebot im Portfolio. "Zur CeBit", also jetzt, soll endlich die "Vertriebsfreigabe" für einen _durchwahlfähigen_ VoIP-ähnlichen Anschluß erfolgen.
    Um es vorweg zu sagen: Auch die Telekom hat kompetente Mitarbeiter. Mein Gewährsmann sagt, "der Privatkundenanschluß ist der hinterletzte Mist und es gab und gibt massive Probleme, der neue 'Deutschland LAN' - Geschäftskundenanschluß scheint dagegen stabil und ausgereift zu sein". Diesem speziellen Mitarbeiter nehme ich das glatt ab.

    Dennoch würde ich mich am Markt nach Alternativen umsehen.
    - Vodafone beherrscht ISDN ebenso wie die Telekom, vielleicht könnt Ihr einfach wechseln und habt einige Jahre Ruhe.

    - Es ist keine große Kunst, ein anständiges Gateway ordentlich einzurichten:


    LS_hdlc-g703_rear.jpg

    Das hier gezeigte steht bei einem Kunden mit 1.100 Nebenstellen und versorgt eine uralte Siemens Hipath. Dieses Modell würde ich nicht benutzen, es gibt aber geeignete Geräte von Audiocodes und Patton.
    Die Konfiguration ist ausgesprochen anspruchsvoll. Solange Ihr Zweidraht - Systemtelephone betreibt, solange entsteht auch nicht wirklich eine signifikante Verschlechterung der Sprachqualität. Denn es wird "nur" einmal in jede Richtung gewandelt von plesiochroner in asynchrone Übertragung, der Codec bleibt bestehen.
    Allerdings wäre es ein schwerer Fehler, jetzt noch IP-Telephone an die bestehende Anlage anzuschließen.
    Aber das kann eure Anlage ja sowieso nicht.
    Die Sprachqualität ist bei "reinrassigen" IP-Systemen deutlich besser:
    - Es werden bessere Codecs verwendet, mit höhrerer Abtast- und Quantisierungsrate,
    - Die Audioteile sind oft wesentlich besser ausgeführt
    - Die Bedienungsführung ist einfacher
    - Die Displays sind größer und lesbarer
    - Die Preise sind günstiger.
    Wir hatten gestern den Fall, daß ein Kunde 600,-- netto für ein Panasonic-IP-Systemtelephon zahlte. Jährlich sollen die kaputtgehen, was mit weiteren 200,-- zu Buche schlägt. Ein hochwertiges IP-Telephon mit riesigem Display (Yealink T48G) kostet am Markt einmalig 175,-- und man hat jahrelang Ruhe.

    Die Alcatel-Endgeräte wirken im Vergleich billig.

    Eher weniger, aber u.U. kommt ein von vielen als unangenehm empfundenes Echo hinzu.

    Das kommt darauf an, welche Kriterien für Euch relevant sind. Ein Beispiel: Wenn ihr über viele verteilte Gebäude verfügt, kann der Zwang zur sternförmigen Verkabelung eher ein Fluch sein als ein Segen.
    Im umgekehrten Fall, 'ein Gebäude mit einer zentralen Energieversorgung und zentraler TK-Verteilung in Baumstruktur', ist die UP0-Zweidrahtverkabelung einer internen LAN-Verkabelung weit überlegen.

    Jedes aktuelle VoIP-Gerät verfügt heute über einen per Default aktivierten 'dejitter buffer' mit adaptiver effektiver Größe. Die bügeln verlustfrei alles weg, was im LAN stören könnte, es sei denn, Du benutzt noch fleißig Ethernet-Hubs mit 10MBit/s oder andere Halbduplex-Komponenten.

    Priorisierung beispielsweise mit DSCP richtet wesentlich mehr potentiellen Schaden an als sie nutzt.
    Es sei denn, Du betreibst DECT-Basisstationen mit Synchronisation über LAN. Dann würde ich aber ganz andere Switches benutzen als ausgerechnet "Alcatel".

    Wir würden uns nie an einer Auschreibung beteiligen, denn darin sehe ich einen Garanten für ein Projekt, das von vornherein zum Scheitern verurteilt ist.
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. März 2017
  6. telthies

    telthies Urgestein

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    Eine Ausschreibung allein garantiert noch nicht das Scheitern eines Projektes. Man muß auch:

    1. auf saubere Grundlagenermittlung verzichten
    2. glauben, daß man mit einer Excel-Tabelle automatisch einen unbestechlichen vorsitzenden Richter gefunden hätte
    3. grundsätzlich ungeeignete Parameter auswählen
    4. diese auch dümmstmöglich gewichten (Hersteller der Türsprechstelle als Killerkriterium für ein ganzes Rechenzentrum, kein Scherz)
    5. strengstens darauf achten, daß die Entscheiderebene von der Projektgenese auf der Arbeitsebene nichts nachvollziehen kann

    Dann, und NUR dann ist wirklich SICHER, daß es am Ende heißt: "and the Winner is: ein ahnungsloser Großer Name".
    Andernfalls hat man immer ein Restrisiko, daß ein brauchbares Ergebnis herauskommt.

    Wenn einem fünf Punkte zu viel sind, gibt es auch noch die kompakte (sogar einteilige) G******i-Methode:
    Man überträgt die federführende Planungsverantwortung an einen Mitarbeiter, der mit Tagesgeschäft zugesch***en ist und nicht delegieren kann.
    Dann scheitert das Projekt allerdings auch ganz ohne Ausschreibung, weil es schon zum Briefing des Ausschreibers garnicht erst kommt.
     
  7. doerner

    doerner Schon ein paar Mal da gewesen

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    Bitte sei nicht überrascht, dass bei 5 angefragten Systemhäuser Ihr mind. 5 unterschiedliche Anlagen angeboten bekommt.
    Und da es spezielle Projektpreise jeweils nur für einen / den ersten gibt, ist dieses auch nicht weiter verwunderlich.
    => Ja, es gibt einen Vorteil, wenn man schon sehr zeitig weiss, was angefragt wird, da man sich schnellstmöglich entsprechende Preise sichern kann ...
     
  8. Koppelfeld

    Koppelfeld Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar.

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    ... mit 5 unterschiedlichen Konzepten.
    Wir haben einmal, sehr gern nebenbei, für eine sehr kompetente Bundesbehörde gearbeitet. Der IT-Infrastrukturchef sagte mir sinngemäß, "Wenn ich ausschreibe, im schlimmsten Fall europaweit, dauert alles ewig lange und ich kriege nie den Partner, mit dem ich arbeiten kann, weil er nach unserem Konzept vorgeht".

    Deswegen wird ein seriöser Kunde zunächst Beratungsleistungen einkaufen, und ein seriöser Dienstleister wird einen solchen Auftrag nicht dazu nutzen, seinen Auftraggeber zu schädigen, indem er durch windige Herstellervereinbarungen andere Partner blockiert.
     
  9. telthies

    telthies Urgestein

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    die häufig eines verbindet: daß keiner dem Kunden zugehört hat :-(

    richtig.

    falsch:
    Hersteller haben kein Interesse daran, daß jemand ihre Vertriebspartner im Preiswettbewerb gegeneinander ausspielt. Wo sie keinen Gebietsschutz vergeben, ist die Methode, nur dem Erstanfragenden den Projektpreis zu machen, durchaus ein brauchbarer Ersatz. Ärgerlich ist nur, wenn sie den weiteren Partnern dann nicht sagen "Kollege war schneller", sondern einfach mit Listenpreisen antworten.

    Ich vermeide daher wo immer ich es im Vorfeld abschätzen kann die Beteiligung mehrerer Bieter mit demselben Produkt. Allerdings liegen deren Unterschiede nicht unbedingt nur (manchmal sogar garnicht) im Preis, sondern mindestens ebenso oft in der Gründlichkeit, mit der die Anforderungen gelesen wurden.
     

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