Rückkopplung des eigenen Tons ins Headset

Dieses Thema im Forum "Telekommunikation Allgemein" wurde erstellt von ThomasR, 18. August 2016.

  1. ThomasR

    ThomasR Beginner

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    Liebe Forenmitglieder,

    ich wurde mit meiner Frage aus einem Elektrikerforum hierher verwiesen und hoffe ihr könnt helfen:

    In der analogen Welt hatte man die Gabelschaltung um eine Rückkopplung des gesprochenen Wortes in den eigenen Hörer möglichst zu unterbinden (und von 4 auf 2 Draht zu kommen). In der digitalen Welt wurde die Rückhördämpfung perfektioniert, speziell in Telefonhybriden bis nahe oo.

    Leider telefonieren daher viele KollegInnen in unseren Großraumbüros unter Verwendung eines gut die Umgebungsgeräusche dämmenden Headsets jetzt so laut, daß sie damit andere erheblich stören. Sie brüllen geradezu ins Headsetmikro weil sie sich selber nicht hören können.

    Der Empfänger dreht einfach nur seinen Hörer leiser, auf der Absenderseite gibt es aber während des Gespräches meist nur böse Blicke der KollegInnen. Es gibt normalerweise keine Einstellmöglichkeit für die Rückhördämpfung. Bei VoIP Anwendungen mit PC/Laptop gibt es dafür in Windows einen Regler "Sidetone". Auch Cisco IP Telefone kennen dieses Feature, in anderen Systemen geht da gar nichts (z.B. in unserem Unify mit OpenStage 40 und 60).

    Gespräche mit den Headset Branchenführern und Versuche mit Leihgeräten haben keine befriediegenden Lösungen ergeben. Der Unify second level helpdesk in Bulgarien teilt schriftlich mit, daß es dieses feature nicht gebe.

    Also möchte ich eine Schaltung aufbauen (lassen), die ganz bewußt einen Teil des Mikrofonsignals aus dem Headset verstärkt und unverzögert/phasenrichtig wieder in den Hörer des Headsets zurückspielt. Damit hoffen wir unsere Schreihälse ruhig stellen zu können. Eine Rückkopplung im Sinne eines Aufschaukelns (Pfeifen) wird bei der heutigen räumlichen Trennung von Mikro und Hörer am Headset wohl erst sehr spät kommen...

    Die parallele Auskopplung des Mikrofonsignales sollte kein Problem sein, die einstellbare Verstärkung auch nicht. Aber wie bekomme ich dieses Signal dann wieder so in den Hörer, daß die Hörerendstufe im Telefon nicht beschädigt wird?

    Kapazitiv? Induktiv? Ideen? Fertige Geräte?

    NB: Natürlich denken wir auch über Änderungen der Raumgestaltung und Aufteilung nach!!
     
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  3. telthies

    telthies Urgestein

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    Antw:Rückkopplung des eigenen Tons ins Headset

    Gegenvorschlag: stell´ in einem Fenster auf dem Bildschirm den sie vor sich haben ihr Mikrofoneingangssignal oszilloskopisch dar (oder nur dessen Gesamtpegel als LED-Balkenanzeige wie beim Cassettenrecorder), am besten mit einem "Vergleichsbild" des Pegels ihres Gesprächspartners parallel dazu. Dann bekommen sie die Information ebenfalls in Echtzeit, aber optisch und damit weniger ablenkend. Eine künstliche Zumischung des eigenen Sprechsignals ist gerade bei digital verarbeiteten Signalen und stark ausgeblendeten Umgebungssignalen eher irritierend und ermüdend. Physiologisch würde ich diesen Weg daher nicht empfehlen, das stresst. Es fehlt dabei einfach das intuitive Erkennen als "Ich-Signal", stattdessen wird ein vermeintlich fremdes "Ähnlich-wie-Ich-Signal" wahrgenommen (weil der digitalen Reproduktion der Stallgeruch fehlt). Das ist (hier: ablenkende) Denkarbeit für das Gehirn. Eine "analog übersetzte" Information bekommt da mehr Imperfektion verziehen.
     
  4. SK

    SK Regelmäßig anwesend

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    Antw:Rückkopplung des eigenen Tons ins Headset

    das ist wohl der bessere Weg. Aus Erfahrung kann ich berichten, dass das "rumschreien" beim Telefonieren nicht daher kommt, dass man seine eigene Stimme nicht hört, sondern dass in der akuten Situation der Gesprächpartner zu leise ankommt. Das Phänomen beschränkt sich nähmlich nicht nur auf Headsets sonder ist auch bei "normalen" Telefonen oder Mobilen zu beobachten. Selbst wenn außen herum absolute Ruhe herrscht sprechen viele Menschen automatisch lauter wenn sie ihren Gesprächspartner nicht verstehen. Das ist wie wenn bei einem persönlichen Gespräch der Parner 10m weit weg steht. Das passiert unterbewusst, weil man damit seinen Partner dazu bringen will, ebenfalls lauter zu sprechen.

    In Großraumbüros hilft bei solchen Problemen:
    • Trennwände mit schallschluckenden Eigenschaften zwischen den Arbeitsplätzen
    • Schallschutz/-dämpfung an Wänden und Decke
    • verwendung von Headsets mit 2 Höhrkapseln
    • und nicht zuletzt der regelmäßige Hinweis auf bewußtes Telefonieren ("beobachte dich selbst")

    Das ganze mit einer zusätzlichen Geräuschquelle bekämpfen zu wollen wär da eher kotraproduktiv.
     
  5. ThomasR

    ThomasR Beginner

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    Antw:Rückkopplung des eigenen Tons ins Headset

    Danke für die Antworten.

    Die Rückkopplung wäre rein analog, ohne Bearbeitung oder Verzögerung. Bei manchen "externen" Lösungen der Headsetanbieter kommt durch die digitale Bearbeitung eine leichte Verzögerung auf und diese ist ist tatsächlich extrem störend (Hall, Echo) Vermutlich verursacht durch eine ungenaue Nachbildung der Leitungsimpedanz. Wir untersuchen auch den flächendeckenden Einsatz von Geräten wie dem NoiseHelper (von Imtradex), der am Arbeitsplatz unmittelbar den Pegel anzeigt.

    Die geschilderten Raummaßnahmen haben wir alle, auch verwenden wir ausschließlich binaurale Headsets.

    Dieses Setup ist nicht neu, wir sind bereits seit über 15 Jahren in diesen Büros. Nur ändern sich die Reaktionen der Menschen (weil sie älter werden, weil der Stresslevel zunimmt, weil die Stresstoleranz abnimmt etc.)
     
  6. retrofreak83

    retrofreak83 Schon ein paar Mal da gewesen

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    Antw:Rückkopplung des eigenen Tons ins Headset

    Das bedeutet dann aber natürlich auch, dass du den Leuten die Umgebungsgeräusche zusätzlich noch aufs Ohr gibst...
     
  7. telthies

    telthies Urgestein

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    Antw:Rückkopplung des eigenen Tons ins Headset

    ... insbesondere die Echolaufzeit(schwankungs)toleranz nimmt ab, und die Streßwirkung daraus ist unabhängig vom Grad der bewußten Wahrnehmung. Nur die bewußte Wahrnehmung führt zu Klagen ("stört mich"), der Kraftschluß mit dem Krankenstand ist aber "überzeugend" ;-)

    Ich würde daher auf sämtliche Frankenstein´schen Tricksereien verzichten.
     

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