Kaufempfehlung für Telefonanlage / Unternehmen gesucht (Telekom Vorschlag sinnvoll?)

Dieses Thema im Forum "Kaufberatung" wurde erstellt von medtech, 26. Januar 2017.

  1. telthies

    telthies Urgestein

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    mir ist das Unternehmen (ähnlich wie Auerswald) strukturell sympathisch.

    Die alten Hoflieferanten haben die Zeit verschlafen, und dann statt Automobile zu bauen lieber sich mit ebenso verschlafenen Mitbewerbern zu Kutschenbaukonzernen verschmolzen. Ihre gesamten Entwicklungskulturen und Kostenstrukturen sind auf hardwarelastige Produkte zugeschnitten, nun versuchen sie damit zunehmend softwarelastige Produkte zu verkaufen (immer noch mit Lötkolben und Schraubenziehern), das wird noch mehrmals in Hosen gehen. Insbesondere, da mit jeder Konzentrationswelle der Anteil der Unternehmen steigt, die Heuschrecken gehören, also niemandem mit Ahnung von der Materie. Was die heutzutage bauen, sind im Grunde alles keine Telefonanlagen mehr, sondern Derivate von Telefonanlagen. Und das glauben sie auch, wären Soft-PBX. Erklärte man es ihnen, nützte es nichts.

    Mir persönlich ist "Stern was, Stern wie, Raute" die sympatischste Ichwillwasvonmeineranlage-Syntax überhaupt, und ob eine Konfigurationssoftware mit GUI auf einer Office-Suite oder einem Browser aufsetzt, ist mir schnurz, solange ich offline damit arbeiten kann. Mit Standards (wie auch mit Open Source) ist das Problem, daß der Erfolg zwar viele Väter hat, von denen aber keiner dem Kind die Windeln wechselt. Die Verantwortung für ein lauffähiges Gesamtsystem zu übernehmen gegen Urheberrechtsschutz des dafür aufgewendeten Gehirnschmalzes, finde ich durchaus legitim - was mich freilich nicht davon abhält, mir Systemtelefone so standadisiert wie Computertastaturen zu wünschen. Aber andererseits: daß ein Audi nicht zu einem Ford-Motor kompatibel ist, regt auch keinen auf. Aber wir schweifen ab ;-)
     
  2. retrofreak83

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    Naja, dass das ein Trugschluss ist sollte klar sein. Nokia und Palm fallen mir da spontan ein. Und ich behaupte mal, auch bei Blackberry hat schon die eine oder andere Totenglocke geläutet.

    Ich frage mal so rum: wie oft bist du denn bei Kunden, die mit ihrer Telefonanlage voll zufrieden sind? :)

    Eine Anlage an der ich Nutzer bin ist vor vielen Jahren mal als 4400 gestartet. Mittlerweile werden alle TDM-Endgeräte bewusst ausgephast und durch IP-Endgeräte ersetzt, um genau den "ISDN/UP0"-Trümmer wegzuoptimieren. MWn ist der Trümmer mittlerweile eh nur noch Anhängsel einer Äppleienz, wie man heute sagt.
    Und die Endgeräte: das Design ist halt französisch und sowieso Geschmackssache, und die haben hier bisher auch >10 Jahre Sekretärinnennutzung anstandslos überlebt.
     
  3. telthies

    telthies Urgestein

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    Parallele Ebenen schneiden sich bekanntlich nicht. Insofern ist es ein systemimmanentes Problem von Großunternehmen, für das Entscheiden eine eigenständige Hierarchieebene zu haben. Das Entscheiden findet auf der Geschäftsleitungsebene statt, das Vorentscheiden hingegen auf der Arbeitsebene, dazwischen liegt zuverlässig die Blut-Hirn-Schranke. Das Ergebnis lautet zwangsläufig, daß wer nicht erklären kann warum er wen nimmt, sich für einen der bewährten Marktteilnehmer entscheidet, die letztlich allesamt von den Mehdorns dieser Welt geführt werden. Auf Augenhöhe mit dem Kunden, sozusagen.

    Die aktuellen Alcatel-Systeme haben damals (Ende der 90er) einen gewaltigen Sprung vom schwäbischen zum Weltsystem gemacht, mit einer unerwartet sauberen Architektur, sogar linux-orientiert, allerdings im Koppelfeld in der Tat auf TDM gestrickt. Aber immerhin: verdammt robustes Zeug, und über lange Jahre kompatibel zwischen neuem System und älteren Apparatemodellen. Wie man an der Endziffernhierarchie erkennen kann, nimmt man die IP-Apparatelinie aktuellals Normallinie war, und die TDM-Geschwister als B-Linie. Ob/wann man den Umschwung zur vollständigen Jetztzeit schafft, ist eine andere Frage. Dem steht noch entgegen, daß man (wie die belieferten Netzbetreiber) die paketvermittelte Technik im Gegensatz zur leitungsvermittelten nach dem Motto "begreift": "jetzt noch 20% digitaler, alles außer Tiernahrung" :-0
     
  4. retrofreak83

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    Ich finde auch das Logo von Auerswald schön und mir gefällt ihre Webseite, aber wenn ihre Produkte für mich nicht das tun was ich von ihnen erwarte hilft das leider wenig :)

    Ja, damals, als ein Fernsehgerät 10 Programm"speicher" hatte und am Gerät selbst für jeden ein kleines Poti vorhanden war, mit dem man die Frequenz einstellen konnte, war alles viel einfacher :)

    Aber Spaß beiseite: wenn TK-Anlagen in mittelfristig noch überleben können sollen, dann sicherlich nicht, indem sich ihre Endgeräte bedienen lassen wie einen Tresor.
    Man muss alle Bedienprozeduren im Kopf haben oder hat einen Zettel neben dem Telefon zu liegen; denn kontextabhängige Funktionstastenbelegungen geht ja nu ooch nich.
    Ich spreche nicht von der Konfigurationsoberfläche sondern von der des Anwenders. Und sonstwo überall auch kann ich Geräte dialoggeführt bedienen/verwalten - erst recht beim Smartphone.
     
  5. retrofreak83

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    Um genau zu sein werden die Anlagen seit der 4400 von einem BSD angetrieben.
     
  6. telthies

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    ich will es mal so sagen: Telefonanlagen werden fast nie wegen echter Unzulänglichkeit ausgetauscht, sondern mit weitem Abstand stehen auf
    - Platz 1)
    daß es bald den zehnten Jahrestag feiert, das Ding nie ordentlich erklärt bekommen zu haben, sondern an der m.E. absolut strafwürdigen Verkürzung der Einweisung von ganzen Tagen auf eine halbe Stunde "gespart" zu haben und auf
    - Platz 2)
    Planungsverbrechen der Art wie Systeme nicht vernetzter "Einzelzellen" (jedem Sinus seine eigene NoFe-Basis, anstelle System-DECT zu verwenden).
    Erst unter "ferner liefen" kommen dann technische Unzulänglichkeiten, und auch die sind eher "menschliches Versagen", wie abgekackte Netzteile in einer Melange aus stickiger, staubiger Abstellkammer, Girlandeninstallationen mit Lüsterklemmen, und natürlich der besten Nachbarschaft mit Mikrowellen und durchgeschmorten Kaffeemaschinen (und selbstredend an der Steckdose, die die Putzfrau für den Staubsauger braucht). Daß die Kiste "echt" nicht mehr State of the Art ist, ist beinahe die Ausnahme - insbesondere, wenn man sie mit dem vergleicht, was der bisherige Lieferant als "Dernier Cri" dagegen anbietet.
     
  7. retrofreak83

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    Platz 1 und 2 sind jedenfalls Ausdruck eines schlechten Beraters oder eines beratungsresistenten Kundens - da ist dann sekundär ob die Anlage gut oder schlecht ist :)
    Das ist bei mir wiederum der Klassiker für "Wurde dem Kunden angeboten, der Kunde schaute aber ausschließlich auf den Euro und schickte seine Sekretärin in den Saturn um DECT-Telefone für 30€ das Stück zu kaufen."
    (Und beschwert sich dann im Anschluss, die Anlage sei schlecht, weil es mit den Telefonen ja nur Störungen gäbe).
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. Januar 2017
  8. telthies

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    och, wie könnte der denn schlecht sein, das ist meist einer aus der Schublade "Marktführer" ;-)

    Geizkragen gibt es, meist erkennbar an der fetten Karre, aber weit häufiger ist in meiner Praxis - ich möchte bald sagen, der Klassiker: das Produkt von der Tageskarte des Vertriebsbeamten wird mit so "vielen" Systemapparaten ausgestattet, wie die erste Schnittstellenkarte dafür hergibt (ein breites für die "Zentrale", der Rest Economy) und mit NoFe´s aus dem Teeladen-Sortiment aufgefüllt (wenn´s schnurlos sein soll, sind es eben Sinüsse). Aus Angst, sonst preislich ins Hintertreffen zu geraten (oder noch schlimmer: Zeit aufwenden zu müssen, um dem Kunden Vorteile / Unterschiede zu erklären, so man selbst sie denn überhaupt verstanden hat). Frei nach James Bond: genagelt, nicht geschraubt.
     
  9. reini5555

    reini5555 Urgestein

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    Na das hat wohl weniger mit dem Produkt selbst zu tun, Avaya ist bestimmt technisch nicht ganz unten, jedoch schlicht weg deren Vertriebskonzept. Vorwiegend war das auf Miete ausgerichtet mit dem Argument der finanziellen Bindung, damals vielen schon Kunden kleiner 30 Nst aus derem Raster. Avaya ist heute noch bei großen Industriebetrieben gang und gäbe, da überall wo die zusammen gewürftelten Asterikkisten den Geist aufgeben würden.
    Doch gibt es bei dem Herstellervertrieb eben den Nachteil, selbst Kunden 200 MA 140 NST, werden mit Bestandsanlagen nur zögerlich bedient, ein Kunde wartet seit Nov auf ein Angebot zur Erweiterung, aber was sind schon eine Erweiterung um 50 Nst, wenn Industriekunden aus DE mit Wurzeln in der Schweiz nebenan gerade einen Neubau macht, da ist der Weg von 800 m für den Berater einfach zu weit.
    Alcatel wird nie open source, ja dafür funktionieren die Anlagen auch sicher, so sogar das die im Bundeskanzleramt zu sehen sind.
    Der Glaube soll bekanntlich Berge versetzen, das wurde schon vor 10 Jahren immer wieder gesagt, aber was hat sich getan?
    Rein gar nichts, was der große Erfolg ist.
    Im Gegenteil die Hersteller, auch Alcatel usw bieten dem Kunden SIP an, jedoch im Vergleich zu dem Kosten ohne Mehrwert ist die zweidraht Technik immer noch das Maß an Zuverlässigkeit, raucht ein Switch ab, geht kein Rechner mehr, aber man kann immer noch Telefonieren. Zudem gehen die Hersteller auf ihre eigenen Protokolle im Bereich IP, ja auch warum wohl, weil SIP keine zusätzlichen Leistungsmerkmale einfach aus dem Ärmel schütteln kann.

    Gut ich bin froh, das ich heute nichts mehr mit Errichten von TK zu tun habe, ich sehe nur die grottenschlechte Arbeit was heute auf dem Markt dem Kunden abgeliefert wird. Als Fachplaner TAG bin ich auch bei Vergabegesprächen anwesend, und viele Bieter lügen wie gedruckt, stellen Behauptungen über andere Hersteller / Produkte aus, welche sie überhaupt nicht kennen, hier z. B. wird viel Mist über Alcatel geschrieben, die RC 230 kann reines IP von außen, sorry Leute, die macht kein TDM etc, aber daran muss der Kunde sich gewöhnen.
    Aber schimmer ist die Qualität was dann bei der Ausführung ab geliefert wird, vor 14 Tagen wär ich mit bei einer Gesamtabnahme, nur das Gewerk TK / IT ist total negativ aufgefallen, und unterm Strich kam der Rat an den Bauherren 30% der Summe ein zu behalten, bis der Errichter die Ausschreibung und das Pflichtenheft abgearbeitet hat. Tja jetzt musste ich die weinerliche Geschichte von dem Geschäftsführer heute anhören, seine Snom 320 lassen dies und jenes nicht zu.
    Sorry sein Bier, die Nachfrist bleibt erhalten, wenn er nicht erfüllen kann, bekommt der Bauherr den Rat alles Rückabwickeln.

    Ja heute wird um jeden Preis verkauft, eigentlich echt ärmlich dann dann dem Kunden den Rückschritt in die Steinzeit mit dem Fortschritt IP verkaufen zu wollen.
    Was manchal die Kritik an Aussehen anbelangt, na ich bin auf BMW fixiert, jedoch würde ich wegen dem Aussehen auch nicht versuchen die Technik eines Audi oder Benz schlecht zu machen.
     
  10. allesversucher

    allesversucher Regelmäßig anwesend

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    Hallo,

    eigentlich äussere ich mich nicht zu solchen Themen, aber hier muss ich - reini5555 - mal zustimmen . Danke Dir super geschrieben.

    Einen schönen Abend

    PS: Leider ist das Thema mal wieder zu weit vom Anfangsthema abgekommen !
     
  11. retrofreak83

    retrofreak83 Schon ein paar Mal da gewesen

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    Vielleicht aber auch eher, weil man Angst davor hat, dass die Protokolle dann reverse engineered werden und man sein Yealink IP-Telefon halt auch als Systemteilnehmer an der Anlage betreiben kann...
    Oder weil es einfacher (oder billiger) ist, an einem bereits fertigen, jahrzehntelangen Rattenschwanz zum Beispiel namens CorNet noch ein bisschen rumzunudeln.
    Wenn man das wollte, könnte man sicherlich eine "Systemtelefonie"-Erweiterung für SIP schaffen. Und wenn man das vernünftig in die entsprechenden Gremien einbringt, auch hochoffiziell, mit Soße und scharf.

    Aber Innovation habe ich in dem Bereich schon lange nicht mehr gesehen. Unify versucht mit den Geräten der CP-Serie UI-seitig mal wenigstens einen Schritt in die Richtung zu gehen, wo Smartphones und PCs schon jahr(e/zehnte) sind.
     
  12. telthies

    telthies Urgestein

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    ... wäre mir eine sympathische (und lang ersehnte) Idee, aaaber: wenn ein neues Auto auf den Markt kommt, dann gibt es große Plakate - nein, eben nicht vom Motor, sondern von der Karosserie. Denn die transportiert die Emotion zum Käufer. Das ist bei Telefonanlagen nicht anders, am haptischen Userinterface hängt die Produktwahrnehmung. Wenn ich bei Montagen bin, kommen die Angestellten selten in die Kammer, wo das neue Zentraldings angeschraubt wird, sondern es klingt auf der ganzen Büroetage wie in einer Spielhölle, weil alle die neuen Klingeltöne durchorgeln. Welches Telefon soll man denn mit der nett lächelnden Sekretärin oder dem wichtig posenden Abteilungsleiter im Prospekt abbilden, wenn dann die Botschaft lautet: "kaufen sie die Apparate bei einem beliebigen Anbieter Ihres Vertrauens, der von Apparaten zu konstruieren etwas versteht" ?

    Die (auch gewerblichen) "Verbraucher" sind da auch selbst dran schuld: ihr "Abstimmungsverhalten an der Kasse" signalisiert den Anbietern, daß die Allesauseinerhand-Anbieter gute Chancen auf "die Nase vorn haben" haben. Wenn ich mir die spießigen Dreißiger heute ansehe, glaube ich nicht, daß ein Generationswechsel in den Führungsetagen das richten könnte.
     
  13. reini5555

    reini5555 Urgestein

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    Man kann spekulieren oder vielleicht ist es auch Softwareschutz?
    Reverse engineering würde auch wohl den Bastler und Fricklern Tür und Tor öffnen und schnell werden Funktionen kopiert, wofür die Hersteller lange Entwicklungsarbeit als Vorleistung erbracht haben. Eher müssten wohl die SIP Telefonhersteller den anderen Weg einschlagen, und die Protokolle in die Firmware einbinden, womit die Hersteller eher vielleicht leben könnten.
    SIP ist nunmal mit dem ISDN Bus von den früheren SOHO Anlagen zu vergleichen, ein Auerswald Systel war an einer Agfeo einfach auch nur ein ISDN Telefon oder anders herum. Ich kannte keinen welcher hier sich aufgeregt hatte.
     
  14. doerner

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    Ich finde es gut, wenn sich ein Standard soweit gefestigt hat, dass sich hier kaum noch etwas tut. (Und ja, es gab auch hier in den letzten Jahren noch Erweiterungen (siehe bspw. SIP-T).) Schön ist es auch immer wieder, bspw. einen Mitel-Vertreter aus dem Tritt zu bringen und ihn zu fragen, welche Systemfunktionen denn ein Mitel-SIP-Telefon an einer Mitel-Anlage im Vergleich zu einem Mitel-2-Draht- / Mitel-IP-proprietär-Telefon nicht kann. Und dann wird es auf einmal recht still und man sieht, wieviele der unzähligen Systemtelefon-Funktionen sich über SIP abbilden lassen...

    Redundanz ist bei 2-Draht-Technik praktisch unmöglich. Negativ ist meines Erachtens auch die Abhängigkeit von spezieller Hardware anzusehen, deren Verfügbarkeit über Jahrzehnte hinweg nur schwierig zu gewährleisten ist. Die 2-Draht-Technik setzt auch eine sternförmige Verkabelung voraus. Diese ist "besonders beliebt" wenn ein Gebäude auf der anderen Straßenseite mit in die Anlage eingebunden werden soll. (Also bitte nicht nur an "Heimarbeitsplätze" denken...)

    Hier ist es schon schön, wenn man die Telefonie als das betrachtet, was sie ist: Eine spezielle Form des Datenaustausches in Echtzeit! Und hier setzt eine SIP-Lösung auf "smarte"-Clients, so dass bei einer "richtigen Architektur" die Lösung "praktisch beliebig" skaliert.

    Kann man bei einer 2-Draht-Architektur auch ein System-Upgrade / Neustart der Anlage durchführen, ohne dass es zu Gesprächsabbrüchen kommt? Und ja, die TK-Anlagen werden zukünftig solche Upgrades haben müssen, da sie über ein allgemein zugängliches IP-Interface verfügen werden. (Auch wenn man diesen Umstand nicht gut findet, werden wir uns dahin entwickeln.) Und Systeme werden nicht dadurch sicherer, dass nur wenige Personen den Source-Code der Anlage entwickeln.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. Februar 2017
  15. telthies

    telthies Urgestein

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    Zur Redundanz vertritt die Teleföner-Fraktion ja die Ansicht, zum Erreichen von Ausfallsicherheit sei ordentliche Arbeit der edlere Weg als Pfuscherei damit zu kaschieren, daß man einfach schnell anspringende Ersatzlösungen vorhält. Aber natürlich fahren auch Teleföner Autos mit Zweikreis-Bremssystemen ;-)

    Verfügbarkeitsengpässe sehe ich selten, ein ebay voller optipoints läßt ruhig schlafen. Sternförmige Verkabelung hat sich dank der Strukturierten Verkabelung ja auch in den EDV-Bereich ausgebreitet, allerdings ziehe ich den Switch im Telefon dem Cable Sharing vor.

    Netze von 255 Segmenten, in ihrer Größe beliebig gemischt vom Etagenverteiler bis zu zigtausend Anschlüssen, jedes einzeln autark und dennoch sich anfühlend wie ein Einkistensystem, mit warm steckbaren Baugruppen, und sogar im laufenden Betrieb upgradefähig, gab es durchaus auch schon in der Zweidrahtwelt. Das würde ich prinzipiell erst´mal nicht an der Verkabelungsarchitektur festmachen, eher an der Philosophie der Inschinöre. Da zeigt sich eben, ob der CEO ein Wirtschaftsjurist ist oder ein Heinz Nixdorf ;-)

    Sprachdatenverkehr über dienstediskriminierungsfreie Netze wurde dort und bei IBM und Philips und anderen schon erdacht, lange bevor die Post und Siemens dann die Operettenversion "ei es die en helljrau nit schön ?" daraus trivialisiert hat.

    In einer Welt verteilter Angriffe auf Systeme ist es natürlich rückständig, die Sicherheit der Systeme (der heute keine Verschnaufpause bis zum nächsten großen Release mehr gegönnt wird) auch für Modellpaletten aus vier oder fünf verschiedenen Stammbäumen in einer zentralisierten Entwicklungsabteilung frisch halten zu wollen. Aber wenn Betriebswirte Wissen als Ressource begreifen, wollen sie diese eben auch gleich in einen Zentraltresor legen. Da sind kulturell noch dicke Bretter zu bohren.
     
  16. retrofreak83

    retrofreak83 Schon ein paar Mal da gewesen

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    M.a.W.: Die SOPHO iS3000 unterstützt schon sehr lange das Stecken mehrerer CPUs und "switching units" pro Systemgehäuse.
    Die E300 kennt eine sog. automatische Umzugsfunktion, von NEC kenne ich dynamisches umziehen per "Anmelden/Abmelden am Gerät".
    Damit ist man also auch für die Fälle "Telefon kapott" / "Baugruppe kapott" gerüstet, ohne dass der Admin ran muss.
    Im Gegenzug ist es aber auch kein Garant für Sicherheit, wenn alle Menschen auf den Sourcecode gucken könnten, es aber nicht tun.
    Ich finde das "Prinzip Open Source" eine schöne und unterstützenswerte Idee, aber ich frage mich, woher die Annahme kommt, Menschen, die in ihrer Freizeit mal ein bisschen an Programmen rumhacken, Dinge per se besser können sollen als diejenigen, die dafür bezahlt werden und deren Job das ist.
    Es werden heute Sicherheitslücken in open source-Produkten gefunden die dort seit über 20 Jahren waren. Und mit so Aktionen wie heartbleed oder "Oops, irgendwie haben wir unseren Zufallszahlengenerator jetzt längere Zeit in der Testkonfiguration ausgeliefert." hat sich "die Community" nun auch nicht mit gerade mit Ruhm bekleckert.
    Viele dieser Probleme lassen sich finden durch Methoden, die mal ganz und gar unspannend sind und keinen Spaß machen: nämlich sauberer Code, klare Architektur und testen, testen, testen.
    Es werden heute Sicherheitslücken in "open sources" gefunden, die dort seit über 20 Jahren drin steckten. Und mit Dingen wie heartbleed oder "Oops, irgendwie haben wir unseren Zufallszahlengenerator jetzt längere Zeit in der Testkonfiguration ausgeliefert." hat sich "die Community" nun auch nicht mit gerade mit Ruhm bekleckert. Das soll nicht gegen OSS sprechen, aber es zeigt, das dadurch nicht automatisch alles gut wird.

    Und auch bei Herstellern von den guten freien SIP-Telefonen habe ich noch keinen gesehen, der seine gesamte Firmware ge-open-sourced hätte. Da gibts auch nur die Häppchen, zu dessen Veröffentlichung sie nach GPL gezwungen sind, online; hieran halten sich dann aber wiederum auch die Hersteller klassischer TK-Anlagen.
    Und genau aus diesem Grunde frage ich mich, ob es gut ist, sich immer mehr mit kleinen, im wesentlichen "general purpose computern", ausgestattet mit diversen Schnittstellen zu umgeben, und das erst recht dann, wenn man aus den Vorteilen und der Komplexität, die man sich mit VoIP einkauft, nichts macht.
    Daran muss ich jedes mal denken, wenn ich vor einem IP-Telefon ohne Display und Funktionstasten stehe...
    Es sieht aus, als könne es nichts, aber innen drin steckt genug Software, um Teil eines DDoS-Angriffes zu sein, andere Geräte in meinem internen Netz anzugreifen oder als Wanze zu dienen. Und ein zwei Bugs in der Software hier und ein bisschen "Huch, daran hab ich nicht gedacht"-Lücken in der Konfiguration von Firewall/Switches/Router und schon ists mit der Sicherheit dahin.

    Zum Thema Upgrade: ich habe längere Zeit die schöne neue Welt in Form einer größeren Cisco-Installation nutzen dürfen. Ich habe noch nie so viel "Downtime" der TK erlebt, und aus Gründen war die Infrastruktur so gebaut, dass oft wenn die Telefonie nicht ging mindestens ein weiterer Netzdienst (WLAN oder LAN oder Internetkonnektivität) auch weg war.
    Und "mal eben ein Upgrade machen" hieß "es geht jetzt 30 bis 60 Minuten nix mehr. Verlass dich bloß nicht darauf, was das Telefon anzeigt."
     
  17. reini5555

    reini5555 Urgestein

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    Sagen wir mal so, was ist in der IP anders, werden den von Dir verbauten Anlagen zum Endgerät jetzt seit neuestem in Ringbustechnik angefahren?
    Oder geht auch nur zu jedem Endgerät das Cat Kabel hin, dann ist der Satz absurdum und langweilig.
    Tja jetzt kommt wieder das übliche Geschwätz, man sollte auch die Anlagen auf dem Markt kennen, um irgend welche Behauptungen in die Welt zu setzen. :)
    Nun mehr sage ich dem Verkäufer hier im Forum nicht, nur das man sich bei richtigen Aufträgen beim Bietergespräch mit solchen Mist über die Mitbewerber schon mal schnell auf den Schleudersitz begibt, gut Du baust keine solch großen Anlagen, da braucht man keinen Blick über den Tellerrand hinaus.
    Stimmt vollkommen, es wird nur was vorgegaukelt, was nicht vorhanden ist.
    Ist auch verständlich, keiner will sein Produkt aus Taiwan nachgebaut auf dem Markt sehen.
    Wer sagt überhaupt ob sich gerade bei open source nicht ein paar schwarze Schafe herum tummeln, je mehr publik ist, desto mehr Schwachstellen. Nicht nur bei der Telefonie, selbst beim Bezahlsender war lange Zeit alles publik und jeder Möchtegernhacker wusste mit einfachen Mitteln aus der Community wie sein Bildschirm ohne Abo helle wird.
    Bei open source muss ich immer an die Zeugen Jehovas, ach nee das waren die Linuxjünger denken, welche 2000 den Weltuntergang von Microsoft und Mac in den Fußgängerzonen missioniert hatten. Nicht davon war gekommen, im Gegenteil MS hat dem WIndows entsprechende Mechanismen mit gegeben, welche vor nicht zertifizierter Software warnen, und schon läuft Windows auch stabil, keine Bastler und Friklersoft auf dem System, seit Jahren gab es keine Abstürze mehr, der MAC stellt eh das Maß an Zuverlässigkeit dar, fürs Zeichnen gibt es nichts besseres. Mir ist jetzt kein größeres Unternehmen bekannt welches auf Linux vertraut.
     

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