Telefonie aus der Cloud - FUZE

Dieses Thema im Forum "Kaufberatung" wurde erstellt von Nena Dreher, 26. Juni 2019.

  1. Nena Dreher

    Nena Dreher Beginner

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    Liebe Mitglieder,
    ich weiß nicht ob dies hier die richtige Plattform ist, aber ich bin seit 01 Juni im Vertrieb der Firma FUZE tätig.
    Daher würde es mich interessieren :gibt es hier Kunden/Interessenten die ihre alte "on premise" Telefonanlage ablösen möchten und die ganze Telefonie über unsere Cloud laufen lassen möchten?
    Weiterhin bin ich an einem regen Austausch und Diskussion interessiert WARUM Kunden NICHT in die Cloud möchten ?
    Viele Grüße aus dem sonnigen München
    Nena Dreher
     
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  3. tobiasr

    tobiasr Urgestein

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    Hallo Nena,
    aufgrund der Tatsache, dass du offen mit Klarnamen und Firma hier auftrittst, gehe ich mal davon aus, dass du nicht ausschließlich verdeckte Werbung machen möchtest.
    Als Anbieter von "on premise" IP-Anlagen sind mir die Gründe für "nicht in der Cloud" bestens bekannt. Aber vorher würde mich mal interessieren, warum du als Verkäufer die Kunden zu "in der Cloud" bewegen möchtest. Einige dieser Argumente lassen sich teilweise entkräften. Ich bin danach sehr gerne bereit, dir ausführlich meine/die Kunden Beweggründe mitzuteilen.
     
  4. Koppelfeld

    Koppelfeld Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar.

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    Hallo Nena Dreher,
    Da steige ich sehr gerne ein.

    Es gibt verschiedene Blickwinkel. Fangen wir einmal mit der "FUZE" - Weseite an:
    "Wir haben Metadaten zu Millionen von Anrufen, Meetings und Chats analysiert, um Trends
    und Best Practices für die Kommunikation am Arbeitsplatz zu definieren".
    Gemeint war wohl: "um Ternds zu erkennen und 'Best Practices' zu definieren". Sei's drum.

    Aber genau diese Datensammelei wollen viele Kunden einfach nicht. Selbst wenn sie harmlos ist: Irgendwas geht immer schief, siehe "Facebook".

    Kunden möchten auch nicht, daß "Bedarfsträger" legal oder auch illegal ihre Kommulikation abhören. Ein Unternehmen mit mehreren Niederlassungen will auch telephonisch "unter sich" bleiben, typisherweise in einem VPN.

    Kommen wir dazu, "Was ist eigentlich 'Cloud' ?". Ich gehe davon aus, daß Du relativ jung bist und von daher in Schule und Ausbildung nie mit Informationstechnologie, Nachrichtentechnik oder gar Elektrotechnik konfrontiert wurdest, ein typisches Merkmal selbsternannter "Digital Naives".
    Das ist kein Vorwurf und keine Kritik, da ist die tieftraurige Folge eines komplett vermasselten Bildungswesens, welches nur den Umgang mit gegeniertem Microsoft- und Internet-Mist vermittelt. Das, was hinter den Kulissen steckt, wird durch die bunten Oberflächen, die quasi als "Potemkinsche Wände" wirken, verdeckt.
    Wäre es anders, wüßtest Du, daß sich eine "Cloud"- Telephonanlage und ein "altes on-premise - System" grundsätzlich IN NICHTS voneinander unterscheiden. Alles das, was Eure "CLOUD" kann, kann man lokal ebenfalls tun. Aber nicht umgekehrt:

    Bei Euch sind Telephonieprovider und TK-Anlage miteinander "gebündelt". Diese Bündelung führt immer wieder zu Abhängigkeiten. Bei einer "normalen" Telephonanlage kann ich meinen Provider wechseln und auch geschickt Kosten optimieren.

    Als Kunde will ich ein komplettes Fernmanagement meiner Endgeräte. Gleichzeitig sollen die Telephone, die ja jedes für sich ein kleiner Linux-Computer sind, möglicht keinen direkten Internetzugriff bekommen. Das ist ein klassischer Zielkonflikt. Die "alte on-premise" hängt imt einem Beinchen im LAN und kann das erledigen.

    Oft haben Kunden nach einer Umstellung auf IP-Telephonie gar nicht genug Netzwerkkabel an den Arbeitsplätzen. Dann müssen sich Computer und Telephon u.U. ein Kabel teilen. Dazu muß das Telephon auf die Belange des Unternehmens (VLANs!) zugeschnitten werden. Während das einer "on premise" leicht gelingt (denn was heißt 'on premise' übersetzt eigentlich?), kann das die "Cloud" nicht richten.

    Anwendungsintegration? Mitarbeiter wollen kein CRM, sondern sie wollen Anrufprotokolle in ihrem ERP.

    Interne Telephonie ? Die will ich als Kunde auch intern handhaben. Die soll auf keinen Fall "ins Internet". Bei der "Cloud" ist dies ein Obligatorium.

    Viele Kunden möchten auch nicht pro Nebenstelle bezahlen, und schon gar nicht monatlich.


    Es gibt noch eine Handvoll technischer Gründe, weshalb eine "Cloud" - Lösung nicht oder nicht richtig funktioniert.
     
  5. telthies

    telthies Urgestein

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    Darf ich mir das ungefähr so vorstellen: Du rufst an, "Hallo hier ist das nette Mädel von der Firma Kennsenochnich, Sie haben doch bestimmt eine Telefonanlage, die brauchen sie jetzt nicht mehr, ist das nicht toll ?" und am anderen Ende heißt es dann "och nö", und Du fragst Dich warum die Leute so stur sind ?

    Daß die Kunden nicht in die Cloud möchten, kommt vor. Noch häufiger aber stellen sie auf Durchzug, wenn schon wieder so´ne Telefonfirma dran ist. Die sind meistens schon stinkesauer, auf die Telefonfirmen, die sie schon kennen - und nun kommt noch eine neue. Logisch malt man da schnell ein Pentagramm über die Tür.

    Wenn der Kunde tatsächlich keine Hosted PBX / Centrex will, hat auch das meist banale Gründe: die Produkte unterscheiden sich nämlich kaum, und noch weniger die Qualität der Vertriebler. Die allermeisten kommen nicht aus der Branche, können schon die Wischiwaschiblackbox "Cloud" nicht ansatzweise "erklären" und sabbeln nur ihren Akquiseanruf-Leitfaden runter, mit den Kernaussagen "das brauchen Sie alles nicht mehr", "ab jetzt zahlen Sie nur, was Sie wirklich brauchen" und so weiter.

    Im Grunde wird dem Kunden der Deal nahegelegt: "Sie geben uns Ihre Kreditkartennummer, wir geben Ihnen eine Telefonnummer, Sie sparen ganz dolle Geld und weder Sie noch ich verstehen, wie das eigentlich funktioniert" (außer, daß es "digital" ist). Manche setzen noch einen drauf und setzen fort "nicht so analog wie ISDN" (und schwupps, checkt sogar Tante Ingeborg, daß der Anrufer gestern noch Aloe Vera vertickt hat).

    Was ein "SIP Re-invite" ist, haben drei von Pi Vertrieblern nicht verstanden. Und: sie labern von Features, der Kunde braucht aber Benefit.

    Eben so nicht vorhanden sind tiefste Grundlagen von Netztopologien und Protokollen. Wo kommt zum Beispiel das DECT her: auch aus der Cloud ?
    Ganz abgesehen von "Firewalls" aus Beton, die nur mit kaiserlicher Sondergenehmigung durchbohrt werden dürfen, während (Achtung Wortwitz) einzelne Doppeladern bereits ausreichend vorhanden wären.

    Daher bedeutet solche Angebote anzunehmen für den Kunden meist einen riesigen Rückschritt: von Systemtelefonie mit herkömmlicher Fernmeldetechnik zu "Geradeaustelefonie over IP". Und: aus Anbietersicht geht es hier nur um "Logistik" von Bits & Bytes - die Kommunikationsbeziehungen dahinter verstehen sie entweder garnicht, oder eben nur als "Datenströme". Dazu kann ich als beinahe dreißigjährig erfahrener TK-Consultant nur sagen: 99% (ach, was rede ich, 99,975%) der von mir analysierten Prozesse liegen auf der OSI-Schicht 8.

    Wenn die dann analysiert sind, ist mitnichten ausgeschlossen, daß künftig über IP gevoict wird. Gegen Hosted PBX spricht dabei nicht generell etwas, aber die Auslagerung des Switchings ist andererseits auch kein "Wert an sich". Hosted PBX / Centrex empfehlen sich in der Hauptsache für hoch fraktale Organisationen, d.h. die "Virtualität" der Telefonanlage sollte mit derjenigen des Unternehmens zusammenpassen. Andernfalls ist häufig die zeitgemäßeste Lösung, nicht "hosted, sondern "managed" die Telefonanlage zu organisieren: d.h. z.B. der Kollege Koppelfeld kümmert sich um den Kram, der jedoch als Hardware auf dem Campus des Kunden steht.

    Etwas böse gesagt, ist die Kernzielgruppe Deines Angebotes (und desjenigen unzähliger kaum zu differenzierender Mitbewerber) der (ggf.: mobile) Digital Native DAU - insbesondere, wenn er in puncto hauseigenem Netzwerkadmin "Vollwaise" ist. Und den ich Dir zudem auch "mit Kußhand" überlasse, weil er den Wert meiner Dienstleistung auch in der nächsten Steinzeit noch nicht begriffen haben wird, was eine Voraussetzung wäre, sie zu schätzen.
     
  6. Koppelfeld

    Koppelfeld Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar.

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    Ich habe ganz bewußt die Technik heraausgelassen, aber JA:
    Die gesamte teure Vermittlungstechnik muß nach wie vor vom Kunden gekauft werden.
     
  7. retrofreak83

    retrofreak83 Regelmäßig anwesend

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    Ich möchte ergänzen: meiner Erfahrung nach machen Cloudtelefonieanbieter ein paar Annahmen, die dazu führen, dass ihr System gut vermarktbar ist. Die Annahmen - vielleicht bildet FUZE hier ja eine Ausnahme - laufen im wesentlichen darauf hinaus, dass "Telefonanlage" bedeutet "Anzahl n Tischtelefone".
    Die ganz schlechten Anbieter steigen bereits beim Thema Schnurlostelefonie aus und verpassen lieber hippe Handy-Apps statt ein vernünftiges DECT aufzubauen, Fax ist dann auch nochmal ein Thema, aber richtig interessant wird es, wenn solche Fragestellungen wie (Schwestern-)Rufsysteme, Durchsageanlagen, Türfreispreichsysteme, etc. ins Spiel kommen.
     
    telthies gefällt das.
  8. telthies

    telthies Urgestein

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    Nach meinem Eindruck erstmal nicht: Buzzwords + Stockfotos = Website :-(
     
  9. Koppelfeld

    Koppelfeld Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar.

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    Ein wesentlicher Punkt von retrofreak:

    Unsere Anforderung heute:

    Türsprechstellen mit Öffnungsfunktion, Kamerabild soll auf Tischtelephonen dargestellt werden, Fernöffnung, trotzdem manueller, klassischer Schlüssel, Fernöffnung auch bei abgeschlossener Tür, automatische Daueröffnung der Tür werktäglich zu Arbeitsbeginn und -ende.
    Zutrittskontrolle: Über bereits vorhandene Transponder. Steuerung der Alarmanlage (scharf/unscharf). Steuerung Rolltor.
    Zutrittskontrolle hat mitarbeiterabhängiges Benutzerprofil.
    Das ganze nicht nur polen-, sondern auch rumänensicher. Netzausfallsicher. Versorgung über Standard-PoE. Permanentaufzeichnung der Kamera "wenn sich etwas bewegt".
    Das ganze noch in edlem Design.

    Das habe ich nicht getürkt, daß IST die Anforderung. Und die ist als solche nicht ungewöhnlich.

    Welche "Cloud-Lösung" kann das?
     
  10. telthies

    telthies Urgestein

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    Das kann jede Cloud-Lösung als absoluten Ausnahmefall behaupten ;-)

    Deswegen sage ich ja: von Leuten, die TK nur als Sprachdatenströme "sehen" für Leute, die TK nur als Sprachdatenströme "sehen".
     
  11. Koppelfeld

    Koppelfeld Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar.

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    Das ist ja inzwischen Standard. Und der Köder muß dem Fisch schmecken.

    Auf jeden Fall ist es schwierig, ein "Cloud" - Produkt zu vermarkten, denn:

    Obwohl sie eine Fehlleistung nach der anderen hinlegt, vertraut der deutsche Zahlmichel der Telekom wie die "Grünen" ihrer Annalena. Und die Telekom bietet in diesem Bereich an.

    DTS, NFON und Sipgate sind schon lange im Markt. Mitunter funktioniert die eine oder andere Lösung mittlerweile sogar.

    "Cloud"-Kunden sind "preissensitiv". Das ist die Übersetzung von "mieser Stinkstiefel".
    Die sparen dann an Installation und Endgeräten.

    Das ist eine Herausforderung für einen Vollblutvertriebler. Würde mich reizen, nach dem Motto,
    "If you can make it There, you'll make it anywhere".
     
  12. retrofreak83

    retrofreak83 Regelmäßig anwesend

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    Wäre Koppelfeld dann ein Wolkenadvokat?
    (SCNR)
     

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